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Simchat Torah

Mit 102 Jahren tanzt ein Veteran, der aus Nazideutschland geflohen war, an Simchat Thora

Walter Bingham, der in wenigen Monaten 103 Jahre alt wird, tanzte an Simchat Thora in der Chabad-Synagoge in der Jerusalemer Gegend „Rehavia-Shaarei-Chesed“ mit. In Israel endete das Fest am 3.10. Dabei nahm Bingham ein Kleinkind aus der jüdischen Gemeinde bei der Hand. So tanzten zwei Juden zusammen, zwischen denen ein Altersunterschied von fast 100 Jahren lag. Bingham war bei der Landung der Alliierten in der Normandie im Juni 1944 als britischer Soldat dabei. Auf diese Weise half er, Europa von Nazideutschland zu befreien. Er ist immer noch aktiv und erstaunlich fit. Sein Freund, Udi Herschler, ein Dozent für Philosophie und jüdische Geschichte, der neben ihm stand, sagte, der spontane Tanz sei das bewegendste Ereignis des Abends gewesen. Ein Mann, der gegen die Nazis gekämpft hatte, tanzte in demselben Reigen mit Kindern, deren Urgroßvater er hätte sein können, und die Thora war das, was sie miteinander verband – unabhängig von Altersunterschied, Meinungen und Ansichten. Der Höhepunkt war, als sich Bingham mit Dutzenden von Kindern für den traditionellen Segen („Kol HaNearim“, zu Deutsch „alle Kinder“) unter dem Tallit stellte, was er sich gewünscht hatte. Herschler sprach von „einem ewigen Augenblick des Zusammenseins, der die Generationen über Tausende von Jahren verband“. Bingham berichtete über Simchat-Thora-Feiern in seiner Jugend. Er hatte Deutschland 1939 im Alter von 15 Jahren mit einem Kindertransport verlassen müssen. Seinen Erinnerungen zufolge mussten jüdische Feste in seiner Heimatstadt Mannheim schon Anfang der 1930er-Jahre aus Furcht vor Übergriffen praktisch im Untergrund stattfinden. Davor waren Juden stolz darauf gewesen, ihre Freude an den jüdischen Feiertagen öffentlich zu zeigen. Zutiefst bereute er, sich an fast keine Simchat-Thora-Feier mit seinem geliebten Vater erinnern zu können, den die Nazis 1941 ermordeten. Fast 90 Jahre später tanzte er nun in Israel, drei Jahre nach dem Massaker an Juden zu Simchat Thora im jüdischen Jahr 5784, dem schlimmsten Massaker an Juden seit dem Holocaust. Herschler erklärte, er habe den Worten aus der Haggada eine neue Bedeutung verliehen: „Und dies [dieser Bund und die Verheißungen] ist es, was unsern Vätern und uns erhalten hat.“ (INN, VFI News)

„Noch im Greisenalter treiben sie, sind saftvoll und grün.“ – Psalm 92,15

Die Artikel in den Beiträgen spiegeln nicht unbedingt die Meinung von VfI wider. Wir sind darum bemüht, so genau wie möglich über Dinge zu berichten, die Israel, den Nahen Osten, die Diaspora und Juden auf der ganzen Welt betreffen, und hoffen, diese Mitteilungen sind für euch informativ und helfen euch, präziser zu